Das Labor misst nicht nur Modelle – es verbessert die Umgebung, in der sie arbeiten. Die folgende Geschichte von v1 zu v2 zeigt beides: was ein gezielter Eingriff bringt und welchen Preis ein unbedacht formulierter dafür verlangt.
Gleiche 25 Fälle, gleiches Modell, gleiche Isolation, gleiche Reihenfolge. Geändert wurde nur die Umgebung — als ein Paket aus zwei gekoppelten Bestandteilen: das erweiterte Regelwerk in belegfreier Fassung und die Projektionsprüfung als Pflicht – nach dem Bau eine eigene technische Zeichnung erzeugen, Soll gegen Ist messen, erst dann abliefern. Eine Bewegung in den Zahlen ist damit in erster Linie dem Paket zuzuordnen, nicht einem verschobenen Aufbau — ein Rest Einzellauf-Zufall bleibt; welcher der beiden Bestandteile wie viel beiträgt, trennt dieser Vergleich bewusst nicht.
Zwei Störgrößen bleiben bestehen und werden ausgewiesen: die Einzellauf-Varianz (jeder Lauf ist stochastisch) und Training = Test auf den sieben Verankerungsfällen, an denen die Regeln geschärft wurden. Deshalb stützt sich die Zuordnung unten nicht auf die Zahl allein, sondern auf die Selbstdokumentation der Agenten – dort, wo ein Agent seine Entscheidung selbst auf eine Regel zurückführt.
Kurz und einfach: Wir haben die Erfahrungsregeln der Agenten einmal gezielt verbessert und alles neu gemessen: Auf den Übungsfällen wurde es deutlich besser, auf neuen Fällen leicht schlechter. Beides steht hier, einschließlich der Ursache des Rückschritts. Unbekannte Begriffe erklärt das Glossar.
Alle 25 Selbstdokumentationen enthielten in v2 einen echten Abschnitt zur Projektionsprüfung mit gemessenen Soll-Ist-Zeilen. Die Prüfung stützt jede Ablieferung auf nachgemessene Werte; ihr Zeitaufwand je Lauf wurde nicht separat erfasst.
Im Aggregat über die 25 Fälle stieg die Formtreue von 0,689 auf 0,727 und die Zeichnungstreue von 0,947 auf 0,962; die Maßtreue blieb praktisch gleich (0,843 → 0,834). Die formale Bestehensquote – alle Schwellen zugleich – kletterte von 1 auf 4 von 25, und die Zahl klarer Formfehler (Formtreue < 0,40) sank von 7 auf 4.
Entscheidend ist der Blick auf die Teilmengen: Auf den 7 Verankerungsfällen sprang die Formtreue von 0,241 auf 0,516 (+0,28) – dort wirkt der Eingriff stark. Auf den 18 unabhängigen Fällen des damaligen Korpus fiel sie leicht von 0,863 auf 0,809 (−0,05). Vier der sieben Zielfälle wurden über die 0,4-Marke gehoben, zwei davon auf nahezu perfekte Werte; auf den unabhängigen Fällen sank die Formtreue zugleich um 0,05. Beide Zahlen gehören zum Ergebnis.
Der teuerste Rückschritt traf einen einzigen Fall – und ist in dessen Selbstdokumentation wörtlich belegt. Eine Fertigungsheuristik nach dem Muster „im Zweifel Luft, nicht Material“ wurde auf eine Zone angewandt, für die die Vorlage sichtbar Material zeigt. Die Heuristik hat eine richtige Standarddeutung überstimmt.
Ein Fall fiel dadurch in der Formtreue von 0,917 (v1, korrekt voll gebaut) auf 0,119 (v2). Der klassische Fehler einer unbedingten Pauschalregel: formuliert für unbemaßte Zwischenräume, angewandt auf eine Stelle, an der die Projektion Materialkanten zeigt.
Die Lehre ist keine neue Regel, sondern eine Konditionierung der bestehenden: Eine Heuristik darf nie eine Deutung überstimmen, die die Projektion der Vorlage stützt – Belege aus der Projektion schlagen die Heuristik. Zwei weitere Grenzen zeigte derselbe Lauf: Die Projektionsprüfung erfasst Spannweiten, Konturtypen und Richtungen, aber sie zählt keine wiederholten Merkmale (ein Fall bekam die richtige Richtung, aber zu wenige gleichartige Elemente), und Wanddicken von Rotationsteilen gehören als Ø-Differenz explizit gegengeprüft.
„Im Zweifel Luft“ gilt nur für unbemaßte Zwischenräume und nur, wo die Vorlage keine geschlossenen Materialkonturen zeigt. Rangordnung explizit: Evidenz vor Heuristik.
Wiederholte Merkmale je Ansicht zählen (Klauen, Rippen, Fenster, Bohrungen) und gegen die eigene Projektion prüfen – nicht nur Maße, sondern Anzahlen.
Jede Umgebungsänderung läuft als Paarvergleich. Jeder Fall mit Formtreue-Einbruch > 0,1 wird über seine Selbstdokumentation zugeordnet: Regel-Bezug = Problem im Regelwerk, kein Bezug = Varianz-Kandidat.
Mindestens ein Wiederholungslauf je Bedingung, um die Rauschbreite der Einzelfall-Werte zu kennen. Ohne sie ist keine ±0,2-Bewegung auf Fallebene interpretierbar.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage „Lässt sich das Regelwerk verbessern?“ lautet damit: Ja, mit Auflagen. Gezielte Regeln reparieren die Fehlerklassen, für die sie gebaut wurden – aber unbedingte Pauschalregeln erzeugen Nebenwirkungen auf Fällen, die vorher richtig waren. Der nächste Schritt ist deshalb keine neue Regel, sondern das Konditionieren der bestehenden – und die Rückschrittsprüfung als stehender Prozess.
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